Neurodermitis behandeln I Therapieoptionen & richtige Hautpflege
Die Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die auch in schubfreien Phasen behandelt werden muss. Die Neurodermitis Behandlung basiert auf drei wesentlichen Säulen: Basistherapie, medizinische Therapie und Vermeidung von Triggerfaktoren.
Die Behandlung folgt einem stufenweisen Ansatz: Die konkreten Maßnahmen richten sich nach der Schwere der Erkrankung und dem Hautbild in der jeweiligen Erkrankungsphase. Ziel der Behandlung bei Neurodermitis ist die Verbesserung der Hautbarriere, die Reduktion von Entzündungen sowie die Linderung von Juckreiz und weiterer Symptome.
Warum ist die richtige Behandlung von Neurodermitis so wichtig?
In Deutschland sind je nach Bevölkerungsgruppe zwischen 8% und 16% der Kinder und 1% bis 2% der Erwachsenen von Neurodermitis betroffen. Die Mehrheit der Betroffenen weist eine leichte Verlaufsform der Hauterkrankung auf. Je nach Ausdehnung und Lokalisation der Beschwerden kann es aber auch zu einer schwerwiegenden Hauterkrankung und zu einer deutlichen und langfristigen Verminderung der Lebensqualität kommen.
Die atopische Dermatitis und die damit verbundenen Symptome – allen voran der oft quälende Juckreiz – kann Schlafstörungen, eine Beeinträchtigung der Schul- oder Arbeitsleistung, Schwierigkeiten im sozialen Umfeld und sogar Depressionen nach sich ziehen. Zudem kann es zu Komplikationen wie Infektionen der Haut mit Bakterien (v.a. Staphylococcus aureus), Viren oder Pilzen kommen.
Neurodermitis Behandlung: Stufenplan
Die S3-Leitlinie Atopische Dermatitis empfiehlt ein stufenweises Vorgehen, das je nach Schweregrad und Stadium an die Erkrankung angepasst wird. [1] Gerade bei komplizierteren Verläufen werden die Ausdehnung der Symptomatik, der Schweregrad der Neurodermitis und die Auswirkungen der Symptome auf die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zur besseren Vergleichbarkeit des Verlaufs mithilfe von objektiven Bewertungssystemen bestimmt:
- SCORAD (Scoring Atopic Dermatitis)
- EASI (Eczema Area and Severity Index)
- DLQI (Dermatology Life Quality Index)
Im Rahmen der Stufentherapie wird eine Neurodermitis immer mit topischen Produkten (äußerliche Anwendungen auf der Haut) sowie im Bedarfsfall mit Systemtherapien (innerliche Anwendung in Form von Tabletten oder Spritzen bzw. Infusionen) behandelt. Die topische Basistherapie – also die stadiengerechte Neurodermitis Hautpflege – bildet die Grundlage der Behandlung und sollte in allen Phasen der Hauterkrankung fortgeführt werden.
Neurodermitis Basistherapie: Stadiengerechte Hautpflege
Die Basistherapie bei Neurodermitis stellt einen wichtigen Baustein im Management dieser chronisch-entzündlichen Hauterkrankung dar. Ziel ist es, die Hautbarriere zu stabilisieren, den Feuchtigkeitsgehalt zu erhöhen und Juckreiz zu lindern. Die stadiengerechte Hautpflege berücksichtigt die unterschiedlichen Hautzustände, die im Verlauf der Neurodermitis auftreten können. Durch die Anwendung einer kontinuierlichen Basispflege kann das Auftreten von Schüben reduziert, ihr Verlauf abgemildert und der Einsatz von Medikamenten wie Kortison reduziert werden.
Akutes Stadium (Schubphase)
In der akuten Phase ist die Haut entzündet, gerötet, nässend und oftmals von Krusten und Bläschen bedeckt. In diesem Stadium steht die Beruhigung und Kühlung der Haut im Vordergrund. Eine kühlende Wirkung, zum Beispiel durch einen kühlenden, feuchten Verband, kann gegen den Juckreiz Linderung verschaffen. Für die Hautpflege eignen sich leichte, wasserhaltige Cremes und Gele wie die SIRIDERMA HYDRO Intensivcreme und das SIRIDERMA Anti-Juckreiz GEL, um die gereizte Haut zu kühlen und zu beruhigen. Die lindernde und regenerierende SIRIDERMA AKUT Intensivmaske kann ergänzend als Maske über Nacht angewendet werden. Bei starkem Juckreiz kommen in Absprache mit dem Dermatologen zusätzlich kortisonhaltige oder immunmodulierende Cremes zum Einsatz.
Subakutes Stadium
In diesem Stadium klingen die akuten Entzündungen langsam ab. Die Haut ist häufig noch trocken, schuppig und gerötet. Hier ist eine rückfettende Pflege entscheidend, um die Hautbarriere zu unterstützen. Reichhaltige Cremes und Salben, die wie die SIRIDERMA LIPID Intensivcreme Glycerin und Nachtkerzenöl enthalten, helfen, die Feuchtigkeit in der Haut zu bewahren. Auch leichtere Pflegecremes wie die HYDRO Intensivcreme mit feuchtigkeitsspendenden und beruhigenden Inhaltsstoffen können genutzt werden. Hier gilt es, individuell herauszufinden, welches Zusammenspiel aus Feuchtigkeit und Lipiden gerade optimal zum Hautzustand passt. Auch die SIRIDERMA AKUT Intensivmaske kann weiterhin ergänzend angewendet werden.
Chronisches Stadium (Erschöpfungsphase)
Im chronischen Stadium ist die Haut extrem trocken, verdickt (Lichenifikation) und häufig rissig. Hier stehen stark rückfettende und sogar leicht okklusive Salben im Vordergrund, die die geschädigte Hautbarriere regenerieren. Hier ist die SIRIDERMA LIPID Intensivcreme mit ihrem hohen Lipidanteil und den Gamma-Linolensäuren aus wertvollem Nachtkerzenöl besonders geeignet. Bei starkem Juckreiz kann auch weiterhin die ergänzende Behandlung der betroffenen Hautstellen mit der AKUT Intensivmaske als spezielle Nachtpflege sinnvoll sein.
SIRIDERMA MED: Basistherapie für akut betroffene Hautstellen
Intervalltherapie und Prophylaxe
Auch in beschwerdefreien Phasen sollte die Hautpflege nicht vernachlässigt werden. Regelmäßiges Eincremen, mindestens zweimal am Tag, mit feuchtigkeitsspendenden und barriereaufbauenden Produkten auch im schubfreien Intervall der Neurodermitis schützt die Haut und kann neuen Schüben vorbeugen.
Empfehlenswert ist eine Neurodermitis Creme ohne Duft- und Konservierungsstoffe, um Reizungen zu vermeiden, sowie mit Feuchthaltefaktoren wie Glycerin.
SIRIDERMA Produkte für die Hautpflege in der schubfreien Phase
Vermeidung von Triggerfaktoren bei Neurodermitis
Ein zentraler Bestandteil der Behandlung bei Neurodermitis ist die Vermeidung von Triggerfaktoren (Karenz). Die stadiengerechte Hautpflege bei Neurodermitis und die Vermeidung von Neurodermitis-Auslösern bilden zusammen eine ganzheitliche Behandlungsstrategie. Nur durch die Kombination aus gezielter Pflege und Trigger-Karenz lässt sich eine langfristige Verbesserung der Hautgesundheit erreichen. Diese Faktoren können individuell unterschiedlich sein und Schübe auslösen oder verstärken.
Häufige Trigger sind:
Symptomtagebuch bei Neurodermitis
Die Identifikation und Vermeidung individueller Trigger sind entscheidend, um die Häufigkeit und Intensität der Schübe zu reduzieren. Dies erfordert ein genaues Beobachten der eigenen Auslöser sowie eine Anpassung der Lebensgewohnheiten. Hilfreich ist die Führung eines Symptomtagebuchs, um Zusammenhänge zwischen Triggern und Hautreaktionen zu erkennen. Tipps zur Nutzung des Symptomtagebuchs:
Ein Symptomtagebuch ist ein wertvolles Hilfsmittel, um individuelle Triggerfaktoren und deren Auswirkungen auf die Haut bei Neurodermitis zu erkennen. Es hilft dabei, Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Umwelteinflüssen und Hautzustand zu dokumentieren und auszuwerten. Wichtige Inhalte eines Symptomtagebuchs:
- Datum und Uhrzeit: Für eine genaue Nachverfolgung.
- Hautzustand: Beschreibung der betroffenen Hautstellen (Rötung, Juckreiz, Nässen, Schuppung).
- Auslösende Faktoren: Was könnte den Schub ausgelöst haben? (z. B. Stress, Ernährung, Kontakt mit Allergenen).
- Medikamente/Pflegeprodukte: Welche Cremes oder Medikamente wurden angewendet?
- Ernährung: Notieren Sie alle verzehrten Lebensmittel, insbesondere neue oder ungewohnte Speisen.
- Umweltfaktoren: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Aufenthaltsort (drinnen/draußen).
- Stresslevel: Subjektive Einschätzung (z. B. niedrig/mittel/hoch).
- Beobachtungen: Verbesserungen oder Verschlechterungen im Tagesverlauf.
Eltern- und Patientenschulung bei Neurodermitis
Auch eine fundierte Eltern- und Patientenschulung ist ein essenzieller Bestandteil der Neurodermitis-Therapie. Besonders bei Kindern spielt die Schulung der Eltern eine zentrale Rolle, da diese maßgeblich an der täglichen Hautpflege und der Triggervermeidung beteiligt sind. Viele Betroffene und deren Familien sind mit der richtigen Pflege, der Anwendung von Medikamenten und der Vermeidung von Triggerfaktoren überfordert. Die Schulungen bieten praxisnahes Wissen und unterstützen die Betroffenen dabei, ihre Erkrankung aktiv zu managen.
Ziele der Schulung
- Verständnis der Erkrankung: Vermittlung grundlegender Kenntnisse über Neurodermitis, Ursachen und Krankheitsverlauf.
- Selbstmanagement: Förderung der Selbstständigkeit im Umgang mit der Erkrankung.
- Kompetente Hautpflege: Erlernen der richtigen Pflege je nach Hautzustand und Krankheitsstadium.
- Umgang mit Triggerfaktoren: Identifikation und Vermeidung individueller Auslöser.
- Stressbewältigung: Strategien zur Reduktion von Stress, da er häufig ein Schubfaktor ist.
- Krisenbewältigung: Handlungsstrategien für akute Schübe.
Topische Therapie: Kortison & Calcineurin-Inhibitoren
Bei Neurodermitis kommen häufig topische Therapien zum Einsatz, um im akuten Schub entzündliche Hautveränderungen zu behandeln und den Juckreiz zu lindern. Hier werden entweder Kortisonpräparate (Glukokortikoide) oder Calcineurin-Inhibitoren eingesetzt.
Kortisonhaltige Cremes und Salben
- Wirkweise: Kortisonpräparate wirken entzündungshemmend, juckreizstillend und antiallergisch. Sie reduzieren die überaktive Immunantwort in der Haut.
- Anwendung: Bei starken Entzündungen. Die Anwendung sollte zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
- Nebenwirkungen: Bei langfristiger Anwendung können Hautverdünnung (Atrophie), Teleangiektasien und eine erhöhte Infektionsneigung auftreten.
- Absetzschema: Oft erfolgt ein Ausschleichen der Therapie, um Rebound-Effekte zu vermeiden.
Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus)
- Wirkweise: Hemmen gezielt die Aktivität von T-Zellen und reduzieren so die Entzündungsreaktion, ohne die Haut zu verdünnen.
- Anwendung: Bei empfindlichen Hautarealen (z. B. Gesicht, Hals, Intimbereich) und bei längerer Anwendung geeignet.
- Nebenwirkungen: Vorübergehendes Brennen oder Jucken nach dem Auftragen, selten Hautinfektionen.
Systemtherapie bei Neurodermitis
Die Systemtherapie wird eingesetzt, um Neurodermitis bei mittelschweren bis schweren Fällen zu behandeln, wenn lokale Behandlungen (topische Therapien) nicht ausreichen. Sie wirkt systemisch im gesamten Körper und hilft, Entzündungen und Juckreiz zu reduzieren. Die Medikamente werden je nach Wirkstoff entweder als Tabletten oder per Spritzen oder Infusionen verabreicht. Die Auswahl der Therapie erfolgt individuell, basierend auf Krankheitsverlauf, Nebenwirkungsprofil und Patientenpräferenz. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind notwendig, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Die Systemtherapie kann auch bei Kindern zum Einsatz kommen, jedoch deutlich seltener als bei Erwachsenen. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen und fehlender Langzeitdaten wird die Anwendung bei Kindern sorgfältig abgewogen und überwacht. Vor allem Biologika wie Dupilumab sind mittlerweile auch für Jugendliche und teilweise für Kinder zugelassen. JAK-Inhibitoren und klassische Immunsuppressiva werden in der Regel nur bei schweren, therapieresistenten Fällen eingesetzt.
Immunmodulatoren (Cyclosporin): Hemmt die Aktivierung von T-Zellen und reduziert dadurch Entzündungen. Wurde in der Vergangenheit bei schweren Schüben häufig eingesetzt. Die Relevanz hat mit der Einführung von Biologika und JAK-Inhibitoren stark abgenommen.
Biologika:
- Dupilumab: Ein monoklonaler Antikörper, der gezielt entzündliche Signalwege durch Bindung an den Interleukin-4-Rezeptor blockiert.
- Tralokinumab: Blockiert gezielt das Interleukin-13 (IL-13), das an entzündlichen Prozessen beteiligt ist.
JAK-Inhibitoren (Abrocitinib, Baricitinib, Upadacitinib): Hemmen bestimmte Enzyme (Januskinasen) und reduzieren die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen.
Lichttherapie bei Neurodermitis
Die Lichttherapie ist eine weitere Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis, deren Bedeutung wegen der Entwicklung der neueren Systemtherapien jedoch deutlich abgenommen hat. Ein Einsatz kann bei Erwachsenen weiterhin erwogen werden. Die verbreitetste Methode ist die Schmalspektrum-UVB- Therapie (UVB-311 nm), die entzündungshemmend wirkt und die Abheilung von Ekzemen unterstützt. Eine solche Lichttherapie wird häufig als Ergänzung zu anderen Therapieformen, wie Cremes oder systemischen Medikamenten, eingesetzt.
Andere Formen, wie eine PUVA-Therapie (UVA-Strahlen in Kombination mit dem photosensibilisierenden Wirkstoff Psoralen) kann in bestimmten Situationen ebenfalls zum Einsatz kommen. Diese Form der Lichttherapie wird aber häufiger bei anderen Hautkrankheiten wie Psoriasis eingesetzt.
Die Behandlung erfolgt meist ambulant unter ärztlicher Aufsicht und wird in Intervallen über mehrere Wochen durchgeführt.
Lichttherapie und Sonneneinstrahlung: Wo liegt der Unterschied?
Während natürliches UV-Licht in zu großen Mengen reizend wirkt, nutzt die Lichttherapie kontrollierte, therapeutisch dosierte Strahlungsmengen und bestimmte Wellenlängen, um die entzündungshemmende Wirkung gezielt zu fördern.
- UVB-Schmalspektrum (311 nm): Die verwendete Wellenlänge von 311 nm ist besonders entzündungshemmend und regt die Bildung antientzündlicher Zytokine an. Sie hemmt die überaktive Immunantwort, die bei Neurodermitis typisch ist.
- Kontrollierte Dosis: Die Behandlung erfolgt in kurzen, wiederholten Sitzungen, die die Haut langsam an die Strahlung gewöhnen. Dadurch wird die entzündungshemmende Wirkung genutzt, ohne die Haut zu reizen.
- Gezielte Anwendung: Im Gegensatz zu natürlichem Licht erfolgt die Bestrahlung gezielt an den betroffenen Hautstellen, ohne die umliegende gesunde Haut zu belasten.
Neurodermitis Behandlung: Tipps & ergänzende Maßnahmen
Neben medizinischen Therapien spielen ergänzende Maßnahmen und Alltagstipps eine entscheidende Rolle, um die Symptome zu lindern und Schüben vorzubeugen.
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